Geschäftsmodell
Warum wir uns gegen ein Abo-Modell entschieden haben
Abo-Modelle funktionieren für viele SaaS-Produkte. Für eine App, die Teil einer täglichen Gesundheitsroutine ist, halten wir den Einmalkauf für die ehrlichere Entscheidung.
Als wir RemMedy Anfang 2026 konzipiert haben, war die offensichtliche Standard-Antwort auf die Frage „Wie finanzieren wir das?" ein Abo-Modell. Monatlich 2,99 €, jährlich 24 €, Premium unbegrenzt. Alle Mitbewerber machen es so. Google Play empfiehlt es als Standardmodell. Die Tools sind dafür gebaut. Warum also nicht?
Wir haben es trotzdem nicht gemacht – und wir glauben, dass das nicht nur für uns, sondern für fast jede Gesundheits-App die bessere Entscheidung ist. Hier ist unsere Begründung.
Das Problem mit Abos für Gesundheits-Apps
Ein Abo ist ein wiederkehrender Vertrag. Der wirtschaftliche Anreiz für den Betreiber ist, den Vertrag möglichst lange laufen zu lassen – und das ist dort unproblematisch, wo der Wert der Leistung über die Zeit steigt: Cloud-Speicher, CRM-Systeme, Streaming.
Bei einer Medikamenten-App ist das anders. Der Wert für die Nutzerin liegt in der Zuverlässigkeit der Erinnerung – einem Feature, das funktioniert oder nicht. Ist es einmal eingerichtet, ändert sich daran Jahre lang nichts. Trotzdem würde sie jeden Monat zahlen, weil sie die App nicht abschalten kann, ohne die Erinnerungen zu verlieren. Das ist ein Lock-in, kein Wertbeitrag.
Was passiert, wenn Abos im Markt etabliert sind
Im Januar 2026 hat Medisafe viele zuvor kostenlose Funktionen hinter ein Premium-Abo gelegt. Das ist kein Einzelfall: Das Muster ist, kostenlos Marktanteil zu gewinnen, die Nutzerbasis an sich zu binden, und dann Features sukzessive ins Abo zu verschieben. Für Kurzzeit-Nutzer ist das egal. Für Menschen mit chronischer Erkrankung, die eine App seit Jahren nutzen und von ihr abhängig sind, ist es eine Zumutung.
Warum Einmalkauf die ehrlichere Antwort ist
Ein Einmalkauf bedeutet: Wir müssen den Wert jetzt bezahlen lassen. Wer RemMedy Premium kauft, hat entschieden, dass die App diesen Betrag wert ist – einmal, für immer. Wir dürfen keine Features nachträglich hinter eine neue Bezahlschranke legen, denn das wäre ein Bruch des Versprechens. Unser Anreiz wird dadurch umgedreht: statt möglichst lange abzurechnen, müssen wir die App so gut machen, dass Menschen sie weiterempfehlen.
Konkret heißt das bei uns:
- Gratis-Version dauerhaft – 2 Medikamente, 2 Messarten, 30 Tage Verlauf. Für viele reicht das.
- Premium 6,99 € einmalig – unbegrenzte Einträge, PDF-Export, Bestandsverwaltung, erweiterte Trend-Analyse.
- 7 Tage kostenloser Test – keine automatische Umwandlung in einen Kauf, keine Abo-Falle.
- Alle zukünftigen Premium-Features inklusive – wer einmal gekauft hat, bekommt Neues dazu.
Was das für uns bedeutet
Finanziell ist ein Einmalkauf-Modell planungstechnisch schwieriger: Wir können nicht auf eine Cohort mit klarem Monats-ARR schauen. Dafür ist die Beziehung zu den Nutzerinnen sauberer. Niemand hat das Gefühl, bei RemMedy etwas zu verlieren, wenn er die App einfach nicht mehr öffnet. Wer Premium gekauft hat, hat Premium – fertig.
Wir sagen nicht, dass Abos grundsätzlich falsch sind. Für viele Produktkategorien sind sie die richtige Antwort. Für eine Gesundheits-App, die möglichst lange Teil eines Alltags sein sollte, glauben wir: ein einmaliger, fairer Preis ist das ehrliche Angebot.
Könnten wir das in Zukunft ändern?
Theoretisch ja. Jede Software-Firma kann ihr Geschäftsmodell umstellen. In der Praxis wäre das ein Vertrauensbruch gegenüber jedem, der bereits gekauft hat – und wir würden sehr lange darüber nachdenken müssen, ob wir das tun können, ohne bestehenden Käufer:innen ihre Premium-Funktionen wegzunehmen. Sollte es je dazu kommen, kündigen wir das frühzeitig und transparent an, und bisher gekaufte Premium-Versionen behalten ihre Funktionen.
Ehrlich gesagt: Wir haben es nicht vor. Aber wir wollen auch keine absoluten „niemals"-Versprechen geben, die wir später bereuen müssten. Das ist der Kompromiss zwischen Ehrlichkeit und Bequemlichkeit.